Die Geschichte vom toten Handschuh

Es beginnt alljährlich im November. Plötzlich liegen überall einzelne verlorene Handschuhe. Die ganze Palette: bunte Kinderhandschuhe, selbstgestrickte Wollhandschuhe, Lederhandschuhe… dicke, dünne, große, kleine.

Manchen werden aufgehoben und von wohlmeinenden Mitmenschen auf Zäune gesteckt oder auf Geländer gelegt. Dort liegen sie dann tage- und wochenlang… doch – komisch eigentlich – der Besitzer scheint nie wieder an dieser Stelle vorbeizukommen oder seinen Handschuh nicht wiederzuerkennen. Hat er vielleicht den Verlust noch gar nicht bemerkt?

Würde ich einen Handschuh verlieren, würde ich meinen Weg in Gedanken zurückgehen, mich fragen, wo ich ihn verloren haben könnte. Am nächsten Tag wäre ich auf dem Weg besonders aufmerksam, würde hoffen, dass er noch daliegt, dass ihn vielleicht jemand an eine erhöhte Stelle gelegt hat. Und ich würde mich freuen, wenn ich ihn fände und ihn wieder mitnehmen.

Die toten Handschuhen haben dieses Glück aber scheinbar nie. Verloren, übersehen und vergessen. Überhaupt frage ich mich, wie es zu so einem Massenauftreten verlorener Handschuhe kommt. Kennt Ihr das auch? Würde ich die sammeln, hätte ich schon eine große Kiste voll.

 

 

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Ein Gedanke zu “Die Geschichte vom toten Handschuh

  1. Fotos von verlorenen Sachen mag ich. Die sind rührend.
    Als ich Kind war, hat meine Mutter die Wintermützen, Schals und Handschuhe gestrickt und wer sie verloren hatte, musste suchen gehen, denn man hatte ja auch meistens nur ein weiteres Paar / Exemplar, nicht ganze Schubladen voll. Jetzt gibt es das alles für (viel zu) kleines Geld zu kaufen, unpersönlich und ohne ideelle Verbindlichkeiten hergestellt, und manchen ist es geradezu willkommen, etwas neu kaufen zu können.

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