Einmal Berlin und… nicht zurück

Der Donnerstag war ein Erlebnis, allerdings eins, das ich so schnell nicht wieder brauche. Morgens im Radio habe ich die Unwetterwarnung gehört. Draußen war es noch ganz ruhig, es regnete ein bisschen und auch später mal mehr mal weniger, der Wind hielt sich in Grenzen. Irgendwann am Nachmittag flogen plötzlich Blätter, Tüten und was nicht alles am Bürofenster (5. OG, riesiges schräges Dachfenster – ein Platz direkt am Wetter) vorbei. Und das Netz, das über den Innenhof gespannt ist, bewegte sich in kräftigen Wellen und rauschte wie das Meer… davon kann man seekrank werden. 😉

Zum Feierabend erreicht der Sturm seinen Höhepunkt: Die provisorische Ampelanlage schwankte, die Baustelle gegenüber machte ungute Geräusche, die letzten Wahlplakate rissen sich los und gingen auf Wanderschaft. Ich stemmte mich gegen den Wind und marschierte zur S-Bahn. Vorher hatte ich im Internet nach Störungen geschaut: Keine gemeldet. Trotzdem war der Bahnverkehr unregelmäßig, Feuerwehreinsatz. Na gut. Meine Bahn sollte die nächste sein, in einer Minute, in zwei Minuten, in einer Minute… Nach zehn Minuten trudelte sie ein, ich ließ mich glücklich auf einen Sitz fallen. Dann die Durchsage „Kein Bahnverkehr.“ Mehr nicht. Über die Brücke Richtung Alex sah ich noch eine Regionalbahn schleichen. Also bin ich auch Richtung Alex marschiert, vorbei an der Baustelle (gruselig) und vorbei an einem abgebrochenen Baum. Unterwegs grübelte ich, ob ich noch nach den Regionalzügen sehen oder gleich in der U-Bahn verschwinden sollte. Als sich dann kurz vor dem U-Bahneingang einige große Sonnenschirme anschickten, über die Straße zu rasen, kam Bewegung in die an der Ampel stehende Menschenmenge. Also schnell die Treppe zur U-Bahn runter, dort unten herrschte noch der normale Feierabendandrang. (Später sollen hier die Leute die Treppen hoch bis auf die Straße gestanden haben.)

Die Bahn stand da, ich bin reingesprungen. Ich wollte bis zum Zoo fahren und dort sehen, was die Bahn macht. Oft klappt das, man gibt der Bahn einfach ein bisschen Zeit, sich von einer Störung zu erholen. Unterwegs kamen mir Zweifel. „Bahnverkehr eingestellt“, sagte ein Mann am Telefon „das dauert bis ich zu Hause bin.“ Also bin ich dann schon am Wittenbergplatz aus- und in die U3 umgestiegen. Wenn kein Bahnverkehr ist, fahre ich eben U-Bahn soweit es geht und dann mit dem Bus nach Hause. Das ist meine absolute Notfallroute Berlin–Potsdam nur mit der BVG. Die fahre ich nicht besonders gern, weil es mit dem Bus immer ewig lange dauert, denn wenn ich darauf mal zurückgreifen muss, fährt logischerweise keine Bahn und die Straßen sind voll.

Die U3 endete wegen Bauarbeiten schon früher, kurz vor dem Aussteigen endlich eine Ansage, es seien tatsächlich der gesamte S-Bahn, Regional- und Fernbahnverkehr sowie auch die überirdisch fahrenden U-Bahnen eingestellt und man solle doch bei dem Unwetter möglichst nicht ins Freie gehen. Der ganze Wagen lachte… Wir stiegen aus und stiefelten der Beschilderung nach zum SEV. Dort bei den Bussen standen auffällig viele Männer in Warnwesten. Einer kriegte dann den Mund auf: Der Busverkehr sei eingestellt. „Wie jetzt, der SEV?“ „Nein, der Busverkehr in der ganzen Stadt.“

Ganz Berlin (fast) ohne ÖPNV! Zu dem Zeitpunkt habe ich mich zu Hause erstmal „abgemeldet“. Hatte ich erwähnt, dass ich wegen des Geburtstags des Göttergatten extra eher Schluss gemacht hatte?

Was jetzt? Ein Taxi! Natürlich hatten alle anderen auch diese Idee, der Taxistand war schon leergefegt, die Rufsäule blinkte hektisch und auf alle mir bekannten Taxirufnummern waren besetzt. Auch die parkenden Taxis ohne Fahrer wurden belauert. Ok, also eine Runde um den Platz, vielleicht könnte ich ja ein ankommendes Taxi ergattern. Schnappsidee. Aus einer Runde wurde viele und immer noch entliess die U-Bahn alle zehn Minuten eine Menschenmenge, die erst noch erfahren musste, dass es keinen Busverkehr mehr gab. Irgendwann fuhren die Busse näher an die Haltestelle  – Hoffnungsschimmer!? – die Masse strömte hin, nur um zu erfahren, dass wir uns in die Busse setzen könnten, zum Ausruhen, zum Schutz vor dem Wind.

Nach knapp zwei Stunden Jagd nach einem Taxi war mir eisekalt und ich sah mich schon am Breitenbachplatz übernachten. Das brachte alles nichts. Ich zitterte inzwischen heftig und mein Magen hing in den Kniekehlen. Schließlich habe ich mich strategisch günstig an der Ampel aufgestellt und mich auf jedes Auto mit „P“ oder „PM“ gestürzt. Die meisten waren schon voll, einige hielten nicht an, einige wollten woanders hin. Irgendwann hatte ich Glück: Ein Auto mit nur einer Frau drin, sie hielt an, ein Mann öffnete sofort die Beifahrertür, ich bin hingerannt und habe gefragt, ob sie mich mitnehmen. Mir folgte ein junger Mann mit gleichem Ziel. Auch er kam noch mit und für eine Frau, die irgendwo am Weg wohnte, gab es auch noch Platz. Ich war so unvorstellbar froh!

Die Fahrt aus Berlin raus hat dann natürlich ewig gedauert, alles was vier Räder hatte, war unterwegs. Nichtsdestotrotz: Ich war auf dem Weg nach Hause, es war warm. Ich war so dankbar!

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Nur nicht den Kopf verlieren

Montag, wer weiß, was die Woche bringen wird. Ich hatte ja schon mal angerissen, dass ich eine berufliche Veränderung anstrebe, eine neue Stelle in der alten Firma. Ein Teil meiner Aufgaben wird gleich bleiben, der Rest wird neu und spannend. Gegen den anfänglichen Widerstand ist der Wechsel abgestimmt und abgesegnet. Dennoch hänge ich ohne konkrete Info in der Luft, wann es tatsächlich losgeht. An sich bin ich ein geduldiger Mensch aber einfach so ins Blaue hinein warten, mit niemandem darüber reden dürfen und gleichzeitig zu hören, was die Gerüchteküche meldet… ungemütlich.

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Rechenaufgabe

Frau K. aus P. fährt jeden Morgen mit der S-Bahn zur Arbeit. Diese fährt normalerweise alle 10 Minuten von A über B nach C. Für zwei Wochen fährt die Bahn jetzt wegen Bauarbeiten zwischen A und B (und weiter nach C) nur alle 20 Minuten, zwischen B und C aber wie immer alle 10 Minuten. Auf dem Hinweg ist es noch einfach, die durchgehende Bahn zu erwischen.

Wie viele Tage braucht Frau K. um herauszufinden, wann auf ihrem Rückweg die durchgehende Bahn fährt?

Eine Textaufgabe für Freunde des Absurden.

Lösungsansatz: Am ersten Tag benutzt Frau K. die angeblich aktualisierte Verkehrsapp und lässt sich die Zeiten der durchgehende Bahnen nach A anzeigen. Sie geht zu einer der Zeiten zum Bahnhof und es kommt die Bahn nach B. *Frau K. wundert sich, fährt mit, wartet in B 10 Minuten auf die nächste (die durchgehende) Bahn nach A.

Am nächsten Tag geht sie 10 Minuten später zum Bahnhof. Wieder kommt nur eine Bahn nach B. Frau K. wiederholt die obigen Schritte ab *.

Heute wird sie es wieder 10 Minuten eher versuchen, d.h. sie braucht mindestens drei Tage für die Lösung dieser Aufgabe.

Da die Bahn darüber hinaus auch noch alle sonstigen Mätzchen macht, plädiere ich noch einmal für die Einführung des schon vor einiger Zeit von mir entwickelten Bezahlsystems. 😉

Wo ist es hin…

das Wochenende? Kaum bin ich halbwegs im Wochenende angekommen, ist es schon wieder um… und immer noch so viele Dinge übrig, die ich eigentlich machen wollte.

Am Sonnabend steckte mir die vergangene Woche noch in den Knochen: Die S-Bahn hat wieder regelmäßig gezickt (Signalstörung, Weichenstörung, Störung ohne jeden Kommentar…). Ein mysteriöses Paket kam an, den Versender kannten wir beide nicht, bei der aufgedruckten Telefonnummer ging einen ganzen Tag lang keiner ran. Aber das Rätsel ließ sich lösen. Ein Halter von der Gardinenstange im Schlafzimmer brach beim Vorhangaufziehen, der andere knackte aus Solidarität auch weg und schwupps… Vorhang lag am Boden. Besuch im Baumarkt war fällig. Außerdem das erste Mal Tomaten geerntet, die über die Woche gewaschene Wäsche wieder in den Schrank zurück verfügt… Und dabei irgendwie die ganze Zeit noch über ein Excel-Problem gegrübelt, dass mir am Freitag eine Kollegin gebracht hat.

So ganz nebenbei ist aber mal wieder ein Paar Socken für meinen Besten fertig geworden:

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Heute dann mal wieder mit einer Regenwolke um die Wette gelaufen und gewonnen. 😉 Ein Glück, denn die völlig durchgeweichten Schuhe vom Freitag trocknen immer noch vor sich hin.

Außerdem habe ich ganz viel herumprobiert, mir schwebt eine Häkeldecke vor. Einfarbig, mehrfarbig, granny squares…? Ich kann mich für kein Muster entscheiden:

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Außerdem wird Herbst, da brauche ich dringend eine neue Strickjacke. Also habe ich den Roosevelt Cardigan angefangen. Diese Jacke habe ich schon lange auf meiner Wunschliste und zum Geburtstag hatte ich die passende und wunderschöne Wolle dafür bekommen:

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Ok, das ist bisher gerade mal ein Pulswärmer. Begonnen wird mit den Ärmeln und ich habe schon angenehmeres gemacht, als Zöpfe auf Nadelspiel zu stricken. Aber ich freue mich schon total auf das eigentliche Muster.

Und nun ist schon wieder Montag und Excel ruft…

 

Zum Glück bin ich nicht meine Oma

Sonst hätte ich gestern Abend den absoluten Supergau erlebt. 😉

Ich war beim Frisör. Schon auf dem Hinweg konnte ich sehen, wie sich die Wolken auftürmten. Ich hoffte noch, dass ich, was da kommen würde, beim Frisör aussitzen könnte.

Aber ich kenne mein Glück. Kaum war ich wieder draußen, fielen die ersten großen Tropfen. Ich flitzte zur Haltestelle und sprang in den erstbesten Bus zum Hauptbahnhof. Unterwegs gab es eine günstige Haltestelle, um in die Straßenbahn umzusteigen. Der Regen hatte inzwischen zugenommen, die Haltestelle hatte ja aber ein Dach.

In Laufe der Bahnfahrt kam der Regen dann so richtig in Form… Sturzbäche. Die alle hätten mir auch nicht helfen können:

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Das letzte Stück nach Hause bin ich gerannt und natürlich patschnass geworden. Aber ich bin nicht meine Oma, Haare trockengerubbelt… und so gut wie neu. Früher, als Frau irgendwelche sorgfältig hindrapierten Dauerwellfrisuren trug, hätte sie wohl gleich wieder zum Frisör gemusst. Schwein gehabt.